TAGE DES LITAUISCHEN ZEITGENÖSSISCHEN TANZES IN BERLIN
Bereits zum zweiten Mal präsentiert sich die litauische zeitgenössische Tanzszene mit einem kleinen, feinen Festival in Berlin, diesmal mit Companien aus Vilnius, Kaunas und Klaipėda. Die Kulturattachée der litauischen Botschaft in Deutschland, Dr. Gabrielė Žaidytė, und die Künstlerische Leiterin Ingrida Gerbutavičiūtė haben für drei Wochenenden im kommenden November ein Programm zusammengestellt, das Projekte mit ganz unterschiedlichen Ansätzen vereint.
Das Tanztheater „Dansema“ aus Vilnius, das bereits in Litauen durch eine Reihe künstlerisch- pädagogischer Projekte einem jungen Publikum den zeitgenössischen Tanz näher gebracht hat, zeigt im Theater an der Parkaue mit „Puzzle“ und „Entstehung der Welt“ zwei Stücke in der Choreografie von Birutė Banevičiūtė, die speziell für Kinder konzipiert wurden. „Puzzle“ nimmt die Weltwahrnehmung der Allerkleinsten auf und setzt sie in professionellen zeitgenössischen Tanz um; „Entstehung der Welt“ wendet sich mit den Fragen nach dem Was-war-zuerst und Woher-kam-es-eigentlich an Kinder ab 5 Jahren und lässt die Tänzer spielerisch den Raum erkunden. Die Bühne ist das All, in dem alles entstand. Der Altersgruppe entsprechend laufen diese Produktionen bereits am Vormittag bzw. dem frühen Nachmittag.
Litauens älteste zeitgenössische Tanzcompanie „Aura“ aus Kaunas, bestehend seit über 30 Jahren, ist mit ihren Stücken um die halbe Welt gereist, nun tritt sie anlässlich von „Litauen tanzt contemporary“ das erste Mal auch in Berlin auf. Immer auf der Suche nach kreativen Kooperationen mit Künstlern verschiedener Genres, zeigt die Companie in „Bin ich, wer ich bin?“ eine Zusammenarbeit mit der in der deutschen Hauptstadt arbeitenden Bildenden Künstlerin Almyra Bartkevičiūtė-Weigel. Ihre Textil-Installation und die Choreografie von „Aura“-Leiterin Birutė Letukaitė passen sich dem Spielort „Die Vierte Welt“ am Kottbusser Tor an und reflektieren die dauernden persönlichen und sozialen Metamorphosen, denen sich individuelle Identitäten in einer multikulturellen Stadt wie Berlin ausgesetzt sehen.
Die mancherorts immer noch neue Gattung Tanzoper hat in Litauen schon länger ihre Anhänger. Der interdisziplinären Künstlergruppe „Fish Eye“ aus Klaipėda gelingt mit „Wasted Land“ eine kritisch-ironische Bilanz unserer Zeit und Gesellschaft, deren zentrale Bestandteile Simulation, Imitation und Fälschung sind. Komponist/Librettist Jonas Sakalauskas und Choreografin Agnija Šeiko entfalten im Kunstquatier Bethanien ein virtuoses Zusammenspiel von Musik, Videoprojektionen, spöttischer Körperlichkeit und einem Libretto voller Zitate von Baudrillard, Sartre und Foucault.
Auch das zweite Stück von „Fish Eye“ wurde von Agnija Šeiko choreografiert. „Kein Platz auf dem Parkplatz“ stellt die männliche Identität ins Zentrum der Performance und gibt gefühlvoll Einblicke darin, wie man das gescheiterte Streben nach maskuliner Existenz, welche die Gesellschaft immer noch stereotypisch vorgibt, verbergen kann. Für die Choreografie dieses Stückes wurde Agnija Šeiko mit dem „Goldenen Bühnenkreuz“ – dem höchsten litauischen Theaterpreis – ausgezeichnet. „Kein Platz auf dem Parkplatz“ ist der letzte Teil einer Trilogie, zu der die Tanzperformance „Gebete eines dummen Mädchens“ und der Tanzfilm „Das Märchen“ gehören.
„Litauen tanzt contemporary“: das 2. Festival für zeitgenössischen litauischen Tanz vom 3. bis zum 17. November 2013 in Berlin wird unterstützt vom Kulturministerium der Republik Litauen.