EINE AUSSTELLUNG IN BRAUNSCHWEIG ERZÄHLT VON DEN VERBRECHEN GEGEN DIE LITAUISCHE BEVÖLKERUNG 1939-1941
In der Stadtbibliothek Braunschweig wurde am 14. Januar die Ausstellung „Chronikder Gewalt: Litauen 1939-1941“ eröffnet. Im Mittelpunk der historischen, vom Genozid- und Resistenzzentrum in Vilnius vorbereiteten Wanderausstellung stehen die sowjetischen Verbrechen vor dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht ins Baltikum im Juni 1941.
Zehntausende Litauer wurden zwischen 1939 und 1941 zur Zwangsarbeit nach Sibirien verschleppt, fast jeder Zweite kam dabei zu Tode.
Diese Verbrechen gegen die litauische Zivilbevölkerung wurden nach Kriegsende kaum erwähnt und bekamen nur wenig Aufmerksamkeit in Deutschland. Es ist das Verdienst des Litauischen Zentrums für Genozid- und Widerstandsforschung in Vilnius, die die im Namen des Kommunismus begangenen Verbrechen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen wollen.
Die deutsche Ausgabe der Ausstellung wurde vom in Hüttenfeld (Hessen) ansässigen Europäischen Litauischen Kulturzentrum ELKC erstellt und nun von den Studierenden des Historischen Seminars der Technischen Universität unter der Leitung von Frau Dr. Heike Christina Mätzing nach Braunschweig geholt. Sie wird dort in den Räumen der Stadtbibliothek Braunschweig mit Unterstützung der Stadt Braunschweig und der Stadtbibliothek gezeigt.
Am 14. Januar fand die Eröffnung der Ausstellung statt. Bei der Eröffnung nahmen Vertreter der Stadt Braunschweig, der Technischen Universität Braunschweig, die litauische Kulturattaché Frau Dr.Gabrielė Žaidytėund interessierte Bürger Braunschweigs teil. Prof. Dr. Arūnas Bubnys, Leiter des Forschungszentrums in Vilnius, hielt einen Vortrag zum Thema „Gewalt und Deportationen. Die vergessenen sowjetischen Verbrechen in Litauen von 1939-1941“.
Am 23. Januar um 19 Uhr findet in der Stadtbibliothek Braunschweig die Finissage der Ausstellung statt. Bei der Finissage wird zum ersten Mal in Deutschland die Vorlesung eines der wichtigsten Werke litauischer Verbannungsliteratur – Erinnerungen von Dalia Grinkevičiūtė „Litauer an der Laptevsee“ - stattfinden. Die Vorlesung mit musikalischer Begleitung wird durch die Übersetzerin, Frau Vytenė Muschick, erfolgen.
„Dalia Grinkevičiūtė hat mit ihrem eindringlichen, sehr lebendigen Text ein verbales Denkmal für hunderttausende von Deportierten nach Stalins Gulag errichtet. Ihr authentisches Zeugnis bleibt in unserem gemeinsamen europäischen Gedächtnis erhalten – als eine Erinnerung an das, was sich nicht wiederholen darf“, so Vytenė Muschick über das Werk von Dalia Grinkevičiūtė.
Die Wanderausstellung wurde bereits im Kreistag von Steinfurt, im Landtag von Sachsen-Anhalt in Erfurt und im deutsch-litauischen Gymnasium in Hüttenfeld gezeigt.