Der wiederhergestellte litauische Staat feiert 100 Jahre
Der 16. Februar ist das wichtigste Datum in der litauischen Geschichte. Im Jahre 1918 wurde ein unabhängiger, auf demokratischen Grundsätzen aufgebauter Staat mit moderner Zivilgesellschaft gegründet, der auf die staatlichen Traditionen des alten Litauens (1253-1795) anknüpfte.
Am 16. Februar 2018 zelebrieren wir die Geburt des modernen Litauens. Dieses Datum ist wie eine Brücke zwischen des alten Litauens, entstanden am 6. Juli 1253, und des neuen Litauens, das am 11. März 1990 seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Hätte es den 16. Februar nicht gegeben, wäre es weder zu den Ereignissen des 11. Märzes gekommen, noch die folgende Erfolgsgeschichte möglich gewesen.
Im Vorfeld des 100. Jubiläums seit der Wiederherstellung der litauischen Staatlichkeit (weiter Jubiläum/Zentenarium) wird die Vergangenheit nicht nur zum Anlass genommen, um einen wichtigen Jahrestag feierlich zu begehen, sondern auch als Inspiration gesehen, sowohl um die Bedeutung der Geschichte für die Gegenwart zu reflektieren, als auch umgekehrt um die Relevanz der aktuellen Fragen für die Geschichte besser zu verstehen, z. B. die staatlichen und menschlichen Errungenschaften im Lichte des Zentenariums oder unsere Ambitionen für die kommenden hundert Jahre.
Das Jubiläum des neuen Litauens ist eine Erfolgsgeschichte. Folgende Errungenschaften stechen besonders hervor: Litauen ist zu einem Akteur der europäischen und globalen Geschichte geworden; es zeichnet sich durch eine moderne Zivilgesellschaft aus, die sich der Bedeutung der Freiheit und der damit einhergehenden Verantwortung bewusst ist; dem heutigen litauischen Staat und seiner Bevölkerung eröffnen sich neue Möglichkeiten und Betätigungsfelder.
Der Aufbau des modernen litauischen Staates in 1918 beruhte auf den Prinzipien der Gleichheit für alle, der Freiheit und Prosperität. Das ist der Grund, warum die freiheitsliebenden Bürger Litauens und die Mitglieder der litauischen Gemeinden im Ausland zum ersten Mal in der Geschichte Litauens zu den Schöpfern des eigenen Staates geworden sind und später während der Okkupation als Beschützer von dessen Traditionen wirkten. Die Helden des wiederhergestellten Litauens sind Tausende von Menschen verschiedener Nationalitäten, Religionen und sozialer Gruppen, welche die Traditionen der litauischen Staatlichkeit und der nationalen Identität geprägt und bewahrt haben. Dies waren Freiwillige, Landwirte, Lehrer, Architekten und Ingenieure, Athleten, Piloten, Geistliche von verschiedenen Konfessionen, die Gerechten unter den Völkern, Freiheitskämpfer, Dissidenten, die das Sowjetregime herausgefordert haben, Menschen, die die Freiheitbewegung Sąjūdis geschaffen haben, und die Litauer im Ausland, die die Idee der litauischen Staatlichkeit bewahrt und die litauischen Traditionen gefestigt haben.
Zu den Helden von heute zählt jede Einzelperson in Litauen und außerhalb des Landes, die aktiv zu der Weiterentwicklung des litauischen Staates im 21. Jahrhundert beiträgt und sich dessen bewusst ist, dass ihre täglichen Bemühungen Auswirkungen nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die künftige Geschichte des litauischen Staates und der Nation haben.
Neben dem wichtigsten Symbol des Jubiläums – der nationalen Fahne – besitzen wir auch unser staatliches Symbol Vytis, das eine Brücke zwischen dem alten und dem neuen Litauen verkörpert.
Das Zentenarium hat unsere Fähigkeit verdeutlicht, das Beste aus den Tiefen der Vergangenheit für die Bedürfnisse der Gegenwart zu schöpfen. Wir sind stets bereit, unserer Verantwortung gerecht zu werden und uns für das Wohlergehen unseres Staates und seiner Bürger tatkräftig einzusetzen. Wir stehen für unsere Freiheit, wenn dieser fundamentale Wert bedroht ist. Wir haben den Elan, nicht nur unser eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen, sondern auch die europäische und globale Geschichte zu gestalten. Diese Dinge dienen uns als Grundlage für unseren Stolz auf das bereits Erreichte seit der Wiederherstellung des litauischen Staates, sie geben uns Inspiration für die weitere Arbeit und stimmen uns zuversichtlich für die Zukunft.
Foto von Eglė Ščerbinskaitė