Die Botschaft der Republik Litauen und die Werkstattgalerie laden zur Vernissage der Ausstellung am Freitag, den 04. Mai ab 18h.
Begrüßung durch den Kulturattacheé Dr. Gabrielė Žaidytė
Einführung durch die Kuratorin Prof. Dr. Raminta Jurėnaitė
Abstrakte Kunst ist seit der klassischen Moderne nie eine dominierende Strömung in Litauen gewesen, aber gerade in diesem Bereich findet man wichtige Beiträge von einzelnen Künstlern. In der Geschichte waren es so herausragende Namen wie Konstantinas Čiurlionis um die Jahrhundertwende und Vytautas Kairukštis, der zwischen den Weltkriegen mit den polnischen Konstruktivisten ausstellte. In der sowjetischen Periode brach die Tradition ab, aber in den achtziger Jahren wurde sie von einer Reihetalentierter Maler und Bildhauer wiederbelebt.
Heutzutage stösst Abstraktion genauso wie in den westlichen Ländern auf wachsendes Interesse. Die Vielfalt des Spektrums auf diesem Feld kann man beispielhaft an vier äusserst verschiedenen Positionen der in der Werkstattgalerie gastierenden Künstlererkunden.
Darius Joneikas und Viačelavas Jevdokimas Karmelitas Bilder verbindet eine Unabhängigkeit von der Hektik des Tagesgeschehens. Ihre Werke entstehen entrückt von Raum und Zeit aus Naturerlebnissen und Innenwelten auf sehr persönlichen Wegen.
Darius Joneikas [geb. 1969] lebt in der beschaulichen Stadt Druskininkai und leitet dort ein Museum zur Erinnerung an Konstantinas Čiurlionis in dessen Geburtshaus. Mit dem grossen Komponisten und Maler verbindet ihn eine Art von Seelenverwandschaft, mit ausgeprägter Liebe für Kammermusik. In Joneikas Malereien und Zeichnungen kann man Anklänge an symbolistisch abstrahierte Landschaften von Čiurlionis, wie auch an Arbeiten seiner Zeitgenossen August Strindberg und Arnold Schönberg erkennen. Gleichzeitig sind Joneikas Bilder viel abstrakter und zeigen komplizierte Zusammenhänge in vielfältiger, künstlicher Farbigkeit. Die Bilder entstehen in langsamer, vielschichtiger Malweise und haben reiche Strukturen und Oberflächen.
Viačeslavas Jevdokimovas Karmalita, [geb. 1946], kam aus der Ukrainenach Vilnius um Malerei zu studieren und ist dort heimisch geworden. Er hat sich für die Arbeit in der Einsamkeit entschieden und sich in einem ehemaligen Bauernhof in der Nähe von Vilnius zurückgezogen wo die Tage einen gleichmässigen Rhythmus haben. In dem mit einem Ofen beheizten Holzhaus verweilt er sogar an kältesten Wintertagen, wenn ringsherum tiefer Schnee liegt. Einsamkeit und Stille sind ihm nötig um besondere Konzentration für sein Schaffen zu erlangen. Er malt, zeichnet, liest und hört Jazz im selben sparsam ausgestatteten Zimmer mit Büchern und sich stapelnden Farbtuben, schaut durch ein Fenster auf ein einziges Motiv- einen alten Garten mit Obstbäumen. Aus diesen Beobachtungen entstehen karge Bilder in Grau mit reichen Schattierungen. Seinen Worten nach wird bei ausdauerndem Malprozess mit vielen dichten Farbschichten, das Gesehene wieder vernichtet. Die monochromen fast reliefartigen Bilder, die Jahreszeiten und Tagesverlauf, Licht und Dämmerung sensibilisieren das Empfinden. Es gibt die künstlerische Verwandschaft zu dem französischen Maler Eugene Leroy und dem litauischen Maler Eugenijus Antanas Cukermanas, aber mit Verzicht auf Farbigkeit und bewusst starker Rohheit.
Wenn Viačeslavas Jevdokimovas Karmalita und Darius Joneika auf ihre eigene Weise Traditionalisten sind, vertreten Heinz- Hermann Jurczek und Rimantas Milkintas entschieden eine neue Abstraktion.
Heinz- Hermann Jurczek, [geb. 1954], kam vor fünf Jahren aus Düsseldorf nach Vilnius und hat sich schnell in die Kunstszene eingegliedert. Seine Malerei ernährt sich aus völlig anderen Quellen, und stösst vielleicht deswegen im Baltikum auf grosses Interesse. Heinz-Hermann Jurczek entwickelt einen improvisierten Dialog mit der Farbfeld- und Informelmalerei seiner Jugend, wie er auch aus visuellen Eindrücken seiner Umgebung schöpft. In Metropolen fasziniert ihn, mit welcher Komplexität verschiedene Kommunikationssysteme entstehen und sich entwickeln, und in welcher Geschwindigkeit Kommunikationsstrukturen sich verändern. Diese visuellen Erfahrungen spiegelt er in Malerei wieder, ohne Hilfe des Computerbildschirms mit rein malerischen Mitteln. Aus Natur und urbanistischen Formen entstehen energiegeladene Hybriden in grellen, künstlichen Farben, wie einprägsame graphische Zeichen. Ausgewogenes Gleichgewicht wird von dynamischer Beweglichkeit und freischwebendem Fliessen abgelösst.
Faszinierend ist der Erfindungsreichtum der Form- und Farbzusammenstellungen, wie auch die energiegeladene Wirkung der Bilder.
Rimantas Milkintas [geb. 1977] gehört zur Generation der jüngeren Künstler, die international agieren. 2006 wurde er als einer der vielversprechendsten jungen europäischen Bildhauer mit dem Arnoldo Pomodoro Preis ausgezeichnet. In grossen Skulpturen und Installationen entwickelt er eine postminimalistische Sprache, wo die Reduktion der strengen Form sich eigentümlich mit den ursprünglichen Eigenschaften von Fundstücken verbindet.
Ausgewogenheit und Präzision schliesst in seinen Arbeiten persönliche Geschichten und Witz nicht aus. Er bearbeitet ein Apfelbaumholzfundstück aus seinem eigenen Garten Schicht für Schicht bis zur klaren Konosform, wie auch industriell hergestelltes Furnierholz, um eine Raumkonstruktion zu entwickeln. Beide Strukturen aber werden zum Ausgangspunkt zurückgeführt.