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Berlyne surengta diskusija apie stalinizmo nusikaltimus ir jų vertinimą Europoje

Sukurta 2018.08.22 / Atnaujinta 2018.08.22 17:09
      Berlyne surengta diskusija apie stalinizmo nusikaltimus ir jų vertinimą Europoje
      Berlyne surengta diskusija apie stalinizmo nusikaltimus ir jų vertinimą Europoje
      Berlyne surengta diskusija apie stalinizmo nusikaltimus ir jų vertinimą Europoje
      Berlyne surengta diskusija apie stalinizmo nusikaltimus ir jų vertinimą Europoje
      Berlyne surengta diskusija apie stalinizmo nusikaltimus ir jų vertinimą Europoje

      Europos dienos stalinizmo ir nacizmo aukoms atminti išvakarėse Vokietijos federaliniame SED (Rytų Vokietijos Socialistinės vienybės partijos) diktatūros tyrimų fonde 2018 m. rugpjūčio 21 d. surengta diskusija apie stalinizmo nusikaltimus ir jų vertinimą Europoje.

      Įžanginę kalbą renginyje taręs Lietuvos ambasadorius Darius Semaška, remdamasis savo šeimos patirtimi, nušvietė tragiškus sovietinės okupacijos metus, kai tūkstančiai Lietuvos gyventojų buvo represuoti, išvežti į Sibiro darbo lagerius bei tremties vietas, iš kurių didelė tremtinių dalis negrįžo. Ambasadorius taip pat priminė apie skaudžias Molotovo-Ribentropo pakto pasekmes Baltijos šalims bei kritiškai įvertinto komunistinių nusikaltimų ignoravimo ir stalinistinio režimo reabilitavimo apraiškas Rusijoje.

      Diskusijos su buvusiu Vokietijos Demokratinės Respublikos užsienio reikalų ministru Markus Meckel metu aptarti skirtingi totalitarinių režimų vertinimai Europoje bei aktualūs istorinės atminties klausimai Lietuvoje. Vokietijos radijo „Deutschlandfunk“ žurnalistės Sabine Adler moderuojamoje diskusijoje ambasadorius D. Semaška atkreipė dėmesį į kol kas dar kartais paviršutinišką stalinistinių nusikaltimų vertinimą Europoje ir išreiškė poreikį sovietinį totalitarizmą paversti neatskiriama bendros europinės istorinės atminties dalimi.

      Renginio metu taip pat pristatytas Vokietijos federalinio SED diktatūros tyrimų fondo naujai išleistas leidinys skirtas komunizmo aukų atminties vietų įamžinimui. Į knygą įtraukti ir stalinizmo aukoms skirti memorialai Lietuvoje.

       

      Grußwort des Botschafters Darius Semaška im Rahmen der Buchpräsentation und Diskussion „Erinnerung braucht Orte“ bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 21. August 2018

       

      Sehr geehrter Herr Markus Meckel,
      sehr geehrte Frau Dr. Anna Kaminsky,
      verehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

      in zwei Tagen wird sich der berüchtigte Hitler-Stalin-Pakt zum neunundsiebzigsten Mal jähren. Die Bedeutung des Bündnisses zwischen Hitler-Deutschland und der Sowjetunion für die Geschichte des 20. Jahrhunderts kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Schließlich wurde damit der Zweite Weltkrieg ausgelöst und eine Reihe von tiefgreifenden Tragödien eingeleitet, deren Folgen wir bis heute spüren.

      Für Litauen, wie für die anderen benachbarten Staaten, bedeutete der Pakt nicht nur die Beseitigung der erst vor kurzem erlangten Unabhängigkeit, sondern auch ungeheure menschliche Verluste. Nach Angaben des litauischen Historikers Arvydas Anušauskas fiel in Litauen im Zeitraum von 1940 bis 1953 ein Drittel der Gesamtbevölkerung dem Terror der sowjetischen und nationalsozialistischen Besatzer zum Opfer.

      Allein in der Nacht zum 14. Juni 1941 wurden aus Litauen ca. 18 000 Personen nach Sibirien oder in die nördlichsten Regionen der Sowjetunion deportiert. Das war die erste große Deportation aus Litauen, von der vor allem die Elite des Landes betroffen war: hohe Politiker, Militärs, Diplomaten, Wissenschaftler, Künstler und Geistige. Spätere Deportationen erfassten ausnahmslos alle Bevölkerungsschichten.

      Bis heute gibt es in Litauen kaum eine Familie, die nicht unter dem Terror der totalitären Regime des 20. Jahrhunderts in einer oder anderen Weise gelitten hätte. Dazu zählten auch meine Familienangehörigen. Erlauben Sie mir im Folgenden, die Erfahrungen der litauischen Bevölkerung unter sowjetischer und nationalsozialistischer Herrschaft kurz anhand von Schicksalen meines Großvaters mütterlicherseits Petras und seines Bruders Dionizas zu schildern.

      Beide Brüder waren Juristen. Während Dionizas das Amt des Staatsanwalts in der damaligen litauischen Hauptstadt Kaunas bekleidete, arbeitete mein Großvater Petras als Anwalt im westlichen Litauen. Als nach der Okkupation Litauens durch die Sowjetunion die Kollegen von Dionizas eins nach dem anderen zu verschwinden begannen und er selbst ins Visier der Sowjets geriet, versuchte mein Großonkel sich zu retten. Es klingt heute ironisch, aber er bezog sich in seinem Rettungsversuch auf den Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939, nach dem Litauen der sowjetischen Einflusszone überlassen wurde. In diesem Vertrag wurde auch vereinbart, dass die deutschen Bevölkerungsgruppen aus der sowjetischen Interessensphäre, „sofern sie den Wunsch hatten“, nach Deutschland umgesiedelt werden durften. Da die Ururgroßmutter von Dionizas und Petras namens Cecilia deutschstämmig war, gelang Dionizas und seiner Familie auf diese Weise nach Deutschland auszureisen. Die Freiheit in Deutschland konnte er aber nicht lange genießen. Aufgrund seiner Rolle im Neumann-Sass-Prozess von 1934-35, als Dionizas die Anklage gegen die führenden Vertreter der nationalsozialistischen Organisationen im Memelland vertrat, wurde er bald nach der Ankunft im Dritten Reich von der Gestapo als Staatsfeind verhaftet und für drei Jahre im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Nur durch Glück überlebte er das Elend des Konzentrationslagers. Später siedelt er mit der Familie nach Heidelberg über, wo er an der Universität zum Doktor der Rechte promoviert wurde.

      Der Bruder Petras, also mein Großvater, wäre auch gerne nach Deutschland ausgereist. Doch meine Oma wollte bleiben. Kurz darauf wurde er von den Sowjets verhaftet und kam ins Gefängnis, von dem er in einer abenteuerlichen Aktion entkam und einige Zeit im Versteck leben musste. Die Familie von Petras, d.h. meine Oma, meine Mutter und der Bruder meiner Mutter wurden am 14. Juni 1941 in den Norden Russlands deportiert. Meine Oma und der Bruder meiner Mutter starben dort an Erschöpfung. Mein Opa hat es geschafft, seine Tochter im Jahre 1946 nach Litauen zu bringen, musste aber bis zu Stalins Tod seinen Lebens- und Arbeitsort ständig wechseln. Später ist das sowjetische Regime deutlich milder geworden.

      Liebe Gäste, das angeführte Beispiel zeigt, dass bei den Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Stalinismus und der Nationalsozialismus zwei sehr ähnliche Herrschaftsformen waren. Es ist deshalb sehr wichtig, dass alle totalitären Regime gleichermaßen verurteilt werden. Es liegt auf der Hand, dass eine kritische Auseinandersetzung und die Versöhnung mit eigener Vergangenheit ein wesentliches Merkmal einer reifen Gesellschaft und eines starken Staates ist. Diese Erfahrung machen wir auch jetzt bei der Aufarbeitung dunkler Kapitel in unserer Geschichte.

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