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Geschichte

erstellt 2015.04.29 / Aktualisiert 2015.04.30 13:32

Wir sind stolz auf unsere Geschichte und erzählen ausländischen Gästen bereitwillig, was man unserem Volk auferlegte, was uns Kraft und Glauben schenkt und was uns so außergewöhnlich und auf der ganzen Welt unvergleichbar macht.

Litauische Vorgeschichte

Die ersten Menschen begannen in Litauen ungefähr 12.000 v. Chr. zu siedeln. 3000-2500 v. Chr. zogen indoeuropäische Balten hinzu. Vom 5. bis 8. Jh. wurden die westlichen Gebiete von Volksgruppen wie Preußen, Ratinger (jotvingiai), Kuren (kuršiai), Semgallen (žemgaliai), Litauern und Lettgallen (latgaliai) bewohnt. Im 10. Jh. gerieten die heidnischen Balten in den Aufmerksamkeitskreis katholischer Missionare. Die erstmalige Erwähnung Litauens findet sich im Jahr 1009 in einer Beschreibung der Mission des Brun von Querfurt.

Der Name Litauens findet erstmalig im Jahr 1009 in den Quedlinburger Annalen in einer Beschreibung der Bruno-Mission Erwähnung.

Königreich und Toleranz

Im Mittelalter entstand mit dem Großfürstentum Litauen erstmals ein eigener Staat. Man hält den 6. Juli 1253 für seinen Entstehungstag, da dem litauischen Herrscher Mindaugas an diesem Tag mit einer Bulle des Papstes der höchste Rang – der eines Königs - verliehen wurde. Das bedeutete, dass Litauen in ganz Westeuropa anerkannt und in seine Staatenfamilie als politisch gleichwertiges Mitglied aufgenommen war. 1387 entschied Litauen sich mit seiner offiziellen Taufe für eine zukünftig westwärts orientierte Entwicklung: im Land begann sich die Schriftkunde auszubreiten, es wurden Schulen gegründet und litauische Studenten an europäischen Universitäten aufgenommen.


Der litauische König Mindaugas

Von der Ostsee bis ans Schwarze Meer

Einen weiteren bedeutsamen Sieg konnten wir 1410 in der Schlacht bei Tannenberg (Žalgirio mūšis) verbuchen, bei der die Litauer gemeinsam mit dem polnischen Heer den Deutschen Orden besiegten. Das Großfürstentum Litauen reichte nun von der Ostsee bis ans Schwarze Meer und von Polen bis Smolensk. Es wurde zur bedeutsamen Großmacht in Ost- und Mitteleuropa und war damit auf dem Gipfel seiner Macht. Doch auch wenn damals alle Angehörigen fremder Völker als potentielle Feinde galten, muss man als Erfolgsgeheimnis des Großfürstentums seine Toleranz gegenüber andere Religionen und regionalen Bräuchen betrachten.


Anfang des 15. Jh. erstreckte sich das Gebiet des Großfürstentums Litauen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer.
Foto: K. Vanagas / BFL.

Die erste schriftliche Verfassung in Europa

Rechtsgrundlage des ältesten litauischen Staates bildete das Litauische Statut, welches bezeugt, dass Litauen bereits im 16. Jh. ein integraler Bestandteil von Mitteleuropa war. Ein weiterer Triumph war die Verabschiedung der Verfassung am 3. Mai 1791, die als erste Verfassung des modernen Europas - noch vor der französischen - und weltweit zweite nach der Verfassung der Vereinigten Staaten gilt.

Die älteste Universität Osteuropas

Mit der Gründung der Universität Vilnius im Jahr 1579, einem der bedeutsamsten kulturellen und politischen Ereignisse des Großfürstentums im 16. Jahrhundert, war auch der Grundstein für das litauische Hochschulwesen gelegt. Die Universität wurde zur wichtigsten Hochschule nicht nur des Großfürstentums Litauens, sondern von ganz Osteuropa.


Die Universität Vilnius ist die älteste in Osteuropa.
Foto: VU Archiv.

Bücherschmuggel - ein Phänomen des 19. Jahrhunderts

Der Bücherschmuggel entstand als Widerstandsbewegung gegen eine Maßnahme des zaristischen Russland, durch welche alle Gebetsbücher in litauischer Sprache verboten und der orthodoxe Glauben verordnet wurde und die sich gegen die katholische Kirche in Litauen richtete. Das Bücherschmuggeln bestand in der Herausgabe litauischer Druckerzeugnisse im Ausland (das waren vor allem das damalige Preußen, Kleinlitauen und Amerika), deren Schmuggel über die Grenzen und weitere Verbreitung im Lande. Diese kulturelle Gegenbewegung, die sich hauptsächlich aus Bauern zusammensetzte und als Teil der nationalen Bewegung zu betrachten ist, war ein wichtiger Faktor bei der Wiederherstellung der Unabhängigkeit im Jahr 1918 und gilt bis in die heutigen Tage als wichtiges Moment für das Bewahren litauischen Zusammengehörigkeitsgefühls. Nicht zuletzt deshalb bezeichnet man den Bücherschmuggel oft auch als Phänomen der litauischen Geschichte im 19. Jahrhundert, welches 2004 von der UNESCO sogar als einzigartig und weltweit beispiellos anerkannt wurde.

1918–1940 – Jahre des Wohlstands

Am 16. Februar 1918 unterschrieben 20 entschlossene, mutige Volksvertreter die litauische Unabhängigkeitserklärung, welche verkündete, dass Litauen als „unabhängiger, auf demokratische Grundfesten errichteter Staat mit der Hauptstadt Vilnius wiederhergestellt wird und sich dieser Staat von allen anderen Staatenbündnissen unterscheidet, welche zuvor mit anderen Völkern bestanden hatten“. Der Staat konnte sich gegen Polen und die Bolschewiken verteidigen und der 1920 gegründete bestätigte die parlamentarische Ordnungt. Symbol des Aufstands wurde die Heldentat der litauischen Piloten Steponas Darius und Stasys Girėnas, die im Jahr 1933 mit als erste den Atlantik (aus den USA nach Europa) überflogen hatten. Die während des Bestehens der Litauischen Republik geschaffene bürgerliche Ordnung und die kulturellen Werte halfen Litauen, die Jahre der sowjetischen Übersatzung zu überstehen und bildeten die ideelle Grundlage für die Widerherstellung der Unabhängigkeit.


Die Unterzeichner der litauischen Unabhängigkeitserklärung vom 18. Februar 1918.
Foto: Litauisches Nationalmuseum.

Sowjetische Besatzung und Annexion

Am 15. Juni. 1940 wurde Litauen von der Sowjetunion okkupiert und seine Bewohner zwischen dem 14. bis 18. Juni in Massen in die entferntesten Gegenden der Sowjetunion verbannt. Doch auch diese schweren Zeiten konnten wir, ebenso wie die deutsche Besatzung überstehen. Litauische Partisanen schlossen sich zur Verteidigung ihrer Heimat zusammen. Die Partisanenkämpfe gehören zu den dramatischsten und tragischsten Abschnitten der litauischen Geschichte.

Die singende Revolution

Die im Juni 1988 entstandene Reformbewegung „Sajūdis“ gab uns Hoffnung und Glauben zurück. Ganz Litauen wurde damals vom Befreiungsgedanken ergriffen. Anlässlich des 50. Jahrestags der Ribbentrop-Molotow-Pakts, durch welchen die Unabhängigkeit der baltischen Staaten vernichtet worden war, bildeten die Bewohner des Baltikums am 23. August 1989 eine lebende Kette, die über 650 km reichte und die drei Hauptstädte Vilnius, Riga und Tallinn durchzog. Mit der Aktion „baltischer Weg“ sagten sich die drei baltischen Staaten symbolisch von der Sowjetunion los und gaben ihren Freiheitswillen zum Ausdruck. Am 11. Märt 1990 wurde der Staat Litauen wiederhergestellt, was jedoch zunächst auf den Widerstand der Sowjetregierung stieß. Sie sandte am 13. Januar 1991 eine schwerbewaffnete Spezialeinheit. Doch auch diese vermochte uns nicht zu schrecken: Wir begegneten der sowjetischen Aggression friedlich und hielten ihr nichts als Lieder und unseren unerschütterlichen Glauben entgegen. Daher werden die Ereignisse dieser Tage auch oft als „Singende Revolution“ bezeichnet. Sie waren zugleich der Beginn eines neuen Lebensabschnitts – zum dritten Mal in der Unabhängigkeit.


"Der baltische Weg" – am 23. August 1989 schlossen sich Menschen zu einer lebenden Kette von Vilnius über Riga bis nach Tallinn zusammen.

Mitgliedschaft in NATO und EU

Mit dem Beitritt zur NATO und zur Europäischen Union kehrte Litauen im Jahr 2004 endgültig in die Gemeinschaft der europäischen Staaten zurück. Zugleich mit seinem EU-Beitritt wurde Litauen vom Empfängerland zum Geberland, das Entwicklungshilfe für Weißrussland, die Ukraine, Moldawien, die südkaukasischen Republiken, Afghanistan und den Irak leistet, außerdem nimmt es im EU-Rahmen multilaterale Verpflichtungen wahr.

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