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Botschafter Darius Semaška nahm teil an dem 22. Landestreffen der Ostpreußen

erstellt 2017.09.25 / Aktualisiert 2017.09.25 14:02
    Botschafter Darius Semaška nahm teil an dem 22. Landestreffen der Ostpreußen

    Am 23. September nahm Botschafter Darius Semaška an dem 22. Landestreffen der  Ostpreußen in Schwerin teil, welches anlässlich des 25. Jahrestages seit dem Bestehen der Landsmannschaft Ostpreußen in Mecklenburg-Vorpommern organisiert wurde.

    In seinem Grußwort gratulierte Herr Semaška der Landsmannschaft und ihren Mitgliedern zu dem Jubiläum und hob die historische Bedeutung von Ostpreußen für die Bewahrung der litauischen Sprache und Identität hervor. Das vollständige Grußwort des Botschafters Semaška finden Sie hier:

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    Sehr geehrter Herr Vorsitzender Manfred Schukat,

    Liebe Ostpreußinnen und Ostpreußen,

    Meine Damen und Herren,

    ich bedanke mich ganz herzlich für die Einladung und freue mich sehr, Sie alle als neuer Botschafter der Republik Litauen in der Bundesrepublik Deutschland heute hier in Schwerin begrüßen zu können. Es ist kein Zufall, dass einer der ersten Termine mich ausgerechnet zu Ihnen geführt hat. Uns verbindet ja eine langjährige gute Zusammenarbeit, die ich gerne fortsetzen möchte.

    Wie eng wir – Litauer und Ostpreußen – historisch verbunden sind, zeigt anschaulich eine Episode aus dem Alltagsleben. Als wir mit meiner Frau vor einigen Jahren im seenreichen östlichen Teil Litauens ein kleines Ferienhaus erwarben, wussten wir wenig über die Vorgeschichte des Hofs. Erst später erfuhren wir, dass Ende des 19. Jahrhunderts das Gut einem bekannten Bücherträger gehörte mit dem Spitznamen „Medinis“, was auf Deutsch „der Hölzerne“ bedeutet.

    Die älteren Bewohner der Region bezeichnen bis heute das Dorf mit unserem Gehöft Medinyčia, auf Deutsch – „Wohnort des Hölzernen“. Und im nahe gelegenen Friedhof wird liebevoll das Denkmal für den erwähnten Bücherträger gepflegt. Jedes Mal, wenn ich den Namen Medinis oder Medinyčia höre, muss ich an Ostpreußen und seine Ortschaften denken. Denn jahrhundertelang zählten sie zu bedeutenden Stätten des litauischen kulturellen und geistigen Lebens.

    Mit Ostpreußen verbinden wir zahlreiche positive Erinnerungen. Dort erschien das erste gedruckte litauische Buch, dort wurde zum ersten Mal die Bibel ins Litauische übersetzt und die erste Grammatik der litauischen Sprache verfasst. In Königsberg wurde auch das erste klassische Werk der litauischen schöngeistigen Literatur geschrieben, das Poem „Die Jahreszeiten“ von Kristijonas Donelaitis. Diese Gelegenheit möchte ich dazu nutzen, um Ihre Aufmerksamkeit auf die neue und nach Ansicht der Experten bisher die beste deutschsprachige Übersetzung von diesem Werk zu lenken. Der deutsche Pfarrer und Sprachwissenschaftler Gottfried Schneider hat jahrzehntelang gebraucht, um das Poem „Die Jahreszeiten“ originalgetreu ins Deutsch zu übertragen. Nach meinem Wissen können Sie dieses Buch heute hier sogar vergünstigt erwerben.

    Und das wichtigste, woran mich heute der Name Medinis erinnert, ist der Freiheitsgeist des Landes Ostpreußen. Denn dort erschienen während des zaristischen Presseverbots in Litauen die ersten litauischen Volkszeitungen „Aušra“ und „Varpas“. Damals wurden in Ostpreußen massenweise auch Bücher, Zeitschriften und Broschüren in litauischer Sprache gedruckt und von solchen mutigen Menschen wie Medinis unter Lebensgefahr über die Grenze nach Litauen geschmuggelt.

    Man kann also ohne weiteres behaupten, dass Ostpreußen einen wichtigen Beitrag zur Wiederbelebung der litauischen Sprache und zur Stärkung unserer nationalen Identität geleistet hat. All das spielte schließlich entscheidende Rolle im Jahre 1918, als die Vertreter des Litauischen Landesrates den Beschluss gefasst hatten, den Litauischen Staat wiederherzustellen. Wahrscheinlich nur deshalb habe ich heute die Ehre, hier vor Ihnen zu stehen und zu Ihnen zu sprechen. Und nächstes Jahr feiern wir den 100. Jahrestag seit der Bekanntmachung dieses für unser Volk bedeutsamen Beschlusses.

    Liebe Gäste, wenn heute in Litauen über Ostpreußen die Rede ist, dann spricht man darüber immer mit Hochachtung und Dankbarkeit. Ich freue mich sehr, Ihnen das heute persönlich sagen zu können. Es ist wichtig und richtig, dass Sie die Erinnerung an das Land Ihrer Vorfahren wach halten und pflegen. Denn gemeinsame Geschichte und Traditionen sind ein wertvolles Gut, das uns eng verbindet. Zum Schluss möchte ich noch ganz herzlich zu dem 25. Jubiläum der Landsmannschaft Ostpreußen in Mecklenburg-Vorpommern gratulieren und Ihnen allen viel Erfolg, Gesundheit und Freude wünschen. Lieber Herr Schukat, als kleines Präsent für Sie habe ich eine traditionelle Köstlichkeit aus Litauen gebracht, die uns wahrscheinlich auch über Ostpreußen erreichte – den Baumkuchen. Lassen Sie es sich schmecken!

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